Wo ist in Sprendlingen eigentlich das Stadtzentrum?

Das Problem ist altbekannt: Das Stadtzentrum von Sprendlingen ist über einen Kilometer lang und gerade mal so breit wie die Hauptverkehrsader, um es überspitzt zu formulieren. Und damit ist schon das zweite Problem benannt, der ständig fließende Verkehr durch Hauptstraße und Frankfurter Straße, der dieses Zentrum noch einmal teilt.

Was früher, im alten Bauerndorf Sprendlingen einmal der heutige Lindenplatz war, eine tatsächliche Mitte, ein Mittelpunkt des öffentlichen Lebens, das gibt es nach der Ausdehnung der Stadt entlang der Straßen in alle Richtungen, kaum noch. Man fährt gezielt einzelne Geschäfte an oder erledigt seine Einkäufe gleich in einem der Gewerbegebiete. Flanieren, bummeln, sich aufhalten, ruhen, mit anderen treffen, das gibt es nur an einigen wenigen Punkten. Die Mittelachse des öffentlichen und privaten Verkehrs als Stadtmitte, als echtes Zentrum zu sehen, fällt nicht leicht.

Stadtentwicklung wohin?

Lange genug haben sich unsere Städte nach außen hin entwickelt. Das Wachstum in der Fläche war günstiger und einfacher, immer neue Wohnsiedlungen und Gewerbegebiete im Grünen und die zunehmende Mobilisierung schufen aber Probleme in den Innenstädten. Die Abwanderung von Leben und Investitionen in die Außenbezirke und der demografische Wandel ließ die Stadtzentren immer einsamer werden. Immer unattraktivere Innenstädte mit immer mehr Leerstand und Verfall waren die Folge.

Auch in Sprendlingen war dieses Phänomen zu beobachten. Die Stadt gab deshalb 2007 bei einem Büro für Stadt- und Regionalentwicklung ein Gutachten in Auftrag, das die aktuelle Entwicklung analysieren und Optimierungsvorschläge machen sollte.

Unter dem Aspekt, dass Geschäfte und Handel, insbesondere für die Nahversorgung, eine zentrale Rolle für das öffentliche Leben spielen, wurde ein Einzelhandelsgutachten in Verbindung mit einem Zentrenkonzept erstellt, das eine zukünftige Entwicklung der Stadt nach innen, und nicht wie bisher, nach außen, befürwortet.

Insbesondere wurden entlang der Hauptstraße und der Frankfurter Straße sogenannte „Potenzialflächen" ausgewiesen, deren Nutzung zu einer Verdichtung und damit Belebung der Innenstadt beitragen könnten.

Das Vorhandensein dieser „Potenzialflächen" verdankt sich der historischen Entwicklung der Stadt als prototypisches „Straßendorf": Die Grundstücke entlang der Straße waren nur nach vorne hin bebaut, hinten hatte man seinen kleinen Acker zur Selbstversorgung. Im Laufe der Zeit wurden diese Äcker zu Gärten, später zu Parkplätzen oder boten Raum für längst aufgegebenes Kleingewerbe.

Für Interessierte: Download Einzelhandelsgutachten und Zentrenkonzept als Baustein zur Stadtentwicklung für die Stadt Dreieich von Dr. Donato Acocella